Am Lagerfeuer beginnt jede Legende

Die Geschichte von "Jack Of All Trades"

Chronik der Runde

Session I: Das Goblin-Lager

29. Mai 2026

Ein leises Zupfen auf den Saiten einer Laute erklingt, bevor der Barde sich räuspert, sein Glas hebt und mit einem verschmitzten Lächeln in die Runde der Taverne blickt.

Kommt näher, Freunde, bestellt ein kühles Ale und lauscht der Geschichte einer Heldengruppe, die so ungleich war, dass nicht einmal die Götter sie hätten besser zusammenwürfeln können! Es ist die Geschichte von zählenden Katzen, mörderischen Ameisen und einem Stück Holz, das besser unangetastet geblieben wäre.

Es begann nicht in den feurigen Schlünden der Unterwelt, nein! Es begann genau hier, bei uns, in der guten alten Taverne Jack Of All Trades.

Stellt euch diese illustre Runde vor: Da saß ein Paladin, ein Hüne in Rüstung, ausgestattet mit der göttlichen Kraft eines Bären und dem Intellekt... nun ja, sagen wir, dem Intellekt eines feuchten Laibes Brot. An seiner Seite ein Ork, dessen Muskeln selbst Granit vor Neid erblassen ließen. Gegenüber saß eine Hexenmeisterin, aus deren Augen die pure, ungezügelte und teils sehr dominante Kreativität der Magie blitzte. Und schließlich eine Druidin, eine Meisterin der Wildnis, der die Natur und ihre Geschöpfe mehr am Herzen lagen als das Geplapper der Zivilisation.

Sie saßen also dort und beschnupperten sich gerade, als mit einem ohrenbetäubenden Krachen die Tür aus den Angeln flog! Wer stand im Rahmen? Niemand Geringeres als Jona Kest von der Stadtwache. Die Waffe gezogen, den Blick wild, bereit, einen ruchlosen, illegalen Kartenspieler-Ring in Ketten zu legen!

Doch im Jack Of All Trades fanden sich nur trinkerprobte Gesellen und ehrliche Würfelspieler. Die Stille, die auf Jona Kests heldenhaften Auftritt folgte, war dick genug, um sie mit einem Dolch zu zerschneiden. Um die brennende Röte in ihrem Gesicht zu überspielen und diese hochpeinliche Situation elegant auszulagern, wandte sich die Wächterin an unsere vier Fremden. Ein Handel ward geschlossen: Ein Goblin-Lager in der Nähe sollte gesäubert werden. Der Lohn? Ein gefüllter Beutel Goldmünzen und das süßeste Wort für jedes Abenteurerohr: Sie durften behalten, was auch immer sie in den Taschen der Grünhäute fanden. Loot!

Und so zogen sie hinaus in die Wildnis.

Vor dem Schlund der Goblin-Höhle entbrannte sogleich die erste, hitzige Debatte der Taktik. Wer wagt sich vor? Die Druidin, mit der Weisheit des Waldes gesegnet, rief eine Katze herbei, um das feindliche Terrain zu sondieren.

„Aber sag, Druidin“, fragte man sie zweifelnd, „kann ein solches Tier überhaupt die Truppenstärke unserer Feinde erfassen?“

Die Antwort der Druidin wird noch lange in unseren Liedern hallen: „Haltet ihr sie für einen tumben Troll, der nach der Zwei nur noch ‚Viele‘ kennt? Bis fünf kann sie sehr wohl zählen! Nur darüber hinaus... nun, Zahlen interessieren sie nicht.“

Und die Katze behielt recht! Fünf Feinde verrieten sich im Inneren, doch zwei Wächter lauerten draußen. Zwei Goblin-Bogenschützen, hoch oben positioniert, verbunden durch eine schwankende Seilbrücke.

Ein normaler Trupp hätte Pfeile getauscht. Nicht aber unsere Helden! Die Druidin, kreativ und gnadenlos, sprach mit den kleinsten Kriegern der Natur. Eine Armee aus Ameisen kroch empor und überzog die Goblins mit tausendfachen, schmerzhaften Bissen. Doch als der letzte Goblin sich zäh auf seinem Ausguck hielt, sahen sich der Paladin und der Ork nur stumm an. Warum hochklettern? Warum Pfeile verschwenden? Mit purer, brachialer Naturgewalt ließen die beiden Muskelberge ihre Waffen auf den Stamm niederfahren. Mit einem mächtigen Krachen fiel der gesamte Baum samt Goblin zu Boden. Ein glorreicher, wenn auch unkonventioneller Sieg der Holzfällerkunst!

Doch das wahre Grauen wartete im tiefen Dunkel der Höhle.

Fünf Gegner stellten sich ihnen entgegen, angeführt von einer garstigen Goblin-Schamanin im letzten Raum. Der Stahl blitzte, Magie zerriss die stickige Luft. Im Eifer des Gefechts, geblendet von seinem gerechten, aber schlichten Zorn, stürzte sich unser Paladin auf das unheilige Totem der Schamanin und zerschmetterte es in tausend Splitter!

Ein taktischer Meisterstreich? Mitnichten!

Anstatt die Schamanin ihrer Macht zu berauben, durchfuhr sie eine unheilige Energie. Das zersplitterte Totem entfesselte eine mächtige Magie und verlieh der Bestie Regeneration! Wunden schlossen sich vor den Augen unserer Helden, und aus einem einfachen Scharmützel wurde ein Kampf auf Leben und Tod. Teile der Höhle bebten und drohten unter der Wucht der Schläge einzustürzen.

Es war ein Tanz auf der Rasierklinge. Nur durch schieres Glück, den Segen der Würfelgötter und die eiserne Entschlossenheit der Gruppe fiel die Schamanin schließlich mit einem letzten, gurgelnden Schrei röchelnd zu Boden.

Stille kehrte ein in der Goblin-Höhle. Atemlos, blutend, aber siegreich standen unsere vier Helden in den Trümmern. Sie klaubten ihre verdienten Schätze aus dem Staub, traten hinaus in das Licht der Welt und wussten: Dies war erst der Anfang.

Der Barde schlägt einen finalen, dramatischen Akkord an, verbeugt sich tief und greift zielsicher nach seinem Ale.